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Londoner Büromarkt trotzt noch dem Brexit

Wenige Monate vor dem Brexit im März 2019 zeichnet sich auf dem britischen Markt für Büro- und Gewerbeimmobilien ein differenziertes Bild ab. Einerseits wächst die Unsicherheit – so schwächelt der Aktienkurs einiger britischer Immobiliengesellschaften. Aber andererseits trotzt insbesondere der Londoner Büromarkt dem bevorstehenden EU-Austritt: Die Geschäftsentwicklung zeigt sich um einiges robuster, als manche Experten erwartet haben.

Zurzeit steht der Aktienkurs von Land Securities, Großbritanniens größtem Entwickler von Gewerbeimmobilien, rund 20 Prozent niedriger als im Juni 2016. Bei anderen großen Investoren wie Great Portland und British Land schaut die Lage kaum anders aus. Obwohl Land Securities ein hervorragendes Geschäftshalbjahr verzeichnet, wie der im November veröffentlichte Zwischenbericht zeigte, will das Unternehmen von spekulativen Neuinvestitionen in Europas größtem Finanzzentrum Abstand nehmen. Zu ungewiss sei dort die mittelfristige Nachfrage nach Büroimmobilien, so Vorstandschef Robert Noel. Der Investor beabsichtigt stattdessen, die Verschuldung abzubauen. Great-Portland-Chef Toby Courtauld hält die unmittelbaren Auswirkungen des Brexit auf sein Geschäft mittlerweile für weniger gravierend als ursprünglich angenommen – plant aber trotzdem eine Reduzierung seines Immobilienbestands in der Hauptstadt.

Von einem Kollaps des Londoner Büromarkts kann also 18 Monate nach dem Brexit-Votum keineswegs die Rede sein. Dies belegen auch zwei hochkarätige Immobiliengeschäfte aus diesem Jahr: Im Juli kaufte die Lee Kum Kee-Group aus Hongkong den 160 Meter hohen Walkie-Talkie-Wolkenkratzer für 1,3 Milliarden Pfund – die höchste Summe, die in Großbritannien für ein einzelnes Gebäude je bezahlt wurde. Zuvor erwarb ein chinesischer Investor den 225 Meter hohen „Cheesegrater“, auf deutsch „Käsereibe“, für 1,15 Milliarden Pfund.

Letztlich bleibt also offen, wie der Brexit genau verlaufen wird und welche wirtschaftlichen Konsequenzen zu erwarten sind. Fest steht einzig, dass viele wichtige Fragen noch auf lange Sicht ungeklärt sein werden.