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Wohnungsgenossenschaften: Hohe Hürden für Neumitglieder

In Zeiten steigender Mieten erfreuen sich Wohnungsgenossenschaften einer immer größer werdenden Beliebtheit. Manche wie die Düsseldorfer Wogedo können Neumitglieder im vierstelligen Bereich verzeichnen. Doch die Freude darüber ist verhalten – denn der wachsenden Mitgliederzahl steht ein stagnierender Neubau gegenüber. Der derzeitige Baulandmangel und die hohen Grundstückspreise würden nämlich zu höheren Mieten führen – dies wollen die meisten Genossenschaften ihren Mitgliedern ersparen. Und auch wenn mehr Beiträge in die Kassen fließen – das niedrige Zinsniveau lässt die Gewinne schrumpfen.

Vor diesem Hintergrund ist man versucht Beitrittswilligen höhere Hürden aufzuerlegen. Die Wogedo sah sich unter anderem veranlasst, Neuzugängen in den ersten fünf Jahren keine Dividenden auszuzahlen. Hamburger Genossenschaften knüpfen eine Mitgliedschaft an die sofortige Neuanmietung der Wohnung. Ebenso begrenzten sie die maximale Anzahl zu zeichnender Anteile. Andere nehmen nur noch diejenigen auf, die von Familienangehörigen Anteile übertragen bekommen haben.

Kritiker sehen darin auch ein selbstinduziertes Dilemma der Genossenschaften. So hätten sie auf Jahre versäumt in den Neubau und die Aufnahme neuer Mitglieder zu investieren. Stattdessen hätten sie sich auf den Bestandserhalt konzentriert. Gelegen kam ihnen dabei der Vorteil, bei der Wahl der Klienten wählerisch sein zu dürfen. Einige Experten schätzen deshalb auch die Chancen, zukünftig Genossenschaftsmitglied in Großstädten zu werden, als sehr gering ein.

Diesen Vorwürfen widerspricht zum Beispiel Axel Gedaschko, Vorsitzender des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), im Handelsblatt. So hätten die Genossenschaften in den letzten fünf Jahren ihre Neubauinvestitionen auf 1,8 Milliarden Euro verdoppelt. Seiner Auffassung nach, wird es auch weiterhin möglich sein, Mitglied zu werden. Die Genossenschaften würden nur darauf achten, dass die Zahl ihrer Mitglieder im angemessenen Verhältnis zu den verfügbaren Wohnungen steht. Mit den höheren Hürden wolle man zudem nur die Ausnutzung der Genossenschaft als Sparbüchse mit guter Dividende vermeiden.